TrauerNetzMülheim20200910



IN DER TRAUER




NICHT ALLEIN


Trauer hat in unserer Gesellschaft oft keinen Platz. Es wird erwartet, den Alltag bereits nach kurzer Zeit wieder so zu gestalten, als wäre nichts passiert.

Das TrauerNetzMülheim möchte Sie unterstützen, sich die notwendige Aus-Zeit zu nehmen und eine geeignete Hilfe für die Trauerbegleitung in Ihrer Nähe zu finden.

Wir sind ein Zusammenschluss von gemeinnützigen und kommerziellen Anbietern in der Stadt Mülheim.

In diesem Faltblatt finden Sie Angebote: für Jugendliche, Familien, Erwachsene, als offene Treffen, feste Gruppen, Einzelbegleitung und Gedenkfeiern.
Nehmen Sie Kontakt mit den genannten Ansprechpartner*innen auf und nutzen Sie für sich eines der Angebote.

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HPreis 20221128 Annika LanteBei der Preisverleihung: Superintendent Gerald Hillebrand (hinten l.) und Stadtdechant Michael Janßen (hinten r.) zeichneten die Trauerbegleiter aus - Bernd Heßeler, Delia Blömer (hinten),
Rita Blank, Britta Dickhoff, Kertin Altenrath, Ursula Schulz und Ruth Borgwardt (vorn v.l.)
Bild: Annika Lante

Autor: Thomas Emons (28. Nov. 2022)
Katholiken und Protestanten der Stadt verleihen die Auszeichnung einmal im Jahr für ehrenamtliches Engagement. Jetzt war es wieder soweit.

Den mit 2000 Euro dotierten Hoffnungspreis der Evangelischen und der Katholischen Stadtkirche haben in diesem Jahr die ehrenamtlichen Mitarbeitenden der ökumenischen Trauerbegleitung erhalten. Superintendent Gerald Hillebrand und Stadtdechant Michael Janßen überreichten den Preis in Form einer stählernen Fisch-Skulptur, die durch den Mülheimer Künstler Jochen Leyendecker gestaltet wurde, und eines Schecks an die ehrenamtlichen Trauerbegleiter Bernd Heßeler, Kerstin Altenrath, Delia Blömer, Rita Blank, Britta Dickhoff, Ursula Schulz und Ruth Borgwardt. Die ehrenamtlichen Trauerbegleiterinnen des ökumenischen Netzwerkes Andela Canzler-Hiegemann und Bettina Griebenow konnten an der Preisverleihung nicht teilnehmen.

In ihrer gemeinsam vorgetragenen Dankesrede bedankten sich die anwesenden Trauerbegleitenden „für die Wertschätzung unserer wichtigen Arbeit und für die 2000 Euro, die wir zu einem Teil in die Organisation eines Thementages investieren werden, der mit Workshops und Vorträgen rund um das Thema "Verlust hat viele Gesichter - Abschiede gestalten" am 22. April 2023 auf dem Kirchenhügel stattfinden wird!“

Die ökumenische Trauerbegleitung Mülheim an der Ruhr, die hauptamtlich vom evangelischen Pfarrer Christoph Pfeiffer, von der katholischen Gemeindereferentin Andrea Schlüter und vom katholischen Diakon Martin Bader unterstützt wird, begleitet trauernde Menschen zum Beispiel mit Trauercafés und Einzelgesprächen, die zum Beispiel im Evangelischen Gemeindehaus Holunderstr. oder im Kloster Saarn angeboten werden. Ein weiteres Trauercafé auf Zeit findet im Evangelischen Gemeindezentrum am Scharpenberg statt. Der katholischen Krankenhausseelsorger Berthold Boenig ist Koordinator des TrauerNetzMülheim.

„Ziel unserer Arbeit ist es, dass Menschen ihre Trauer annehmen und so einen neuen Weg in ein neues Leben finden können“, erklärte Psychotherapeutin Dr. Britta Dickhoff bei der auch per Livestream auf der Internetseite der Vereinten Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim übertragenen Preisverleihung. Die Preisverleihung, die regulär im Rahmen des Ökumenischen Neujahrsempfangs im Altenhof vorgenommen wird, musste Corona-bedingt wiederholt im kleinen Kreis in der Petrikirche vorgenommen werden. Vor den ehrenamtlichen Trauerbegleitern hatten die evangelische und die katholische Stadtkirche, die das Preisgeld je zur Hälfte stellen, die ehrenamtlich Mitarbeitenden der Notfallseelsorge und die Mülheimer Pflegekräfte mit dem Hoffnungspreis ausgezeichnet.   
HPreis Fisch Florian SchlüterBild: Florian Schlüter    Im Zeichen des Fisches

Die Stahlskulptur in Form eines Fisches repräsentiert den seit 2019 vergebenen Hoffnungspreis der christlichen Stadtkirchen, denen aktuell 86.000 der insgesamt 172.000 Mülheimerinnen und Mülheimer angehören. Der Fisch war das Erkennungszeichen der im Römischen Reich verfolgten Urchristen. Es nahm Bezug darauf, dass einige der Jünger Jesu im Namen seiner Frohen Botschaft von Fischern zu Menschenfischern wurden. Außerdem berichten die Evangelien, dass es Jesus mit einem Wunder gelungen sei, 5000 Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen zu speisen.

Treff WB Zimmermann 20221024 3Bild: Thomas EmonsAutor: Thomas Emons (24. Okt. 2022)

Weihbischof Wilhelm Zimmermann traf sich im Rahmen seiner Visitation zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch am 24. Okt. 2022 mit einem ökumenischen Kreis ehrenamtlicher Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter, zusammengeschlossen im TrauerNetzMülheim.

Mülheim. In den letzten Oktobertagen, auf die der November mit Allerheiligen, Allerseelen und dem Volkstrauertag folgt, besucht Weihbischof Wilhelm Zimmermann einen ökumenischen und ehrenamtlichen Kreis von Männern und Frauen aus der katholischen und der evangelischen Stadtkirche. Er tauscht sich mit ihnen über ihre Erfahrung in der Trauerbegleitung aus.

„Ich kann Sie nur beglückwünschen und ermutigen, in Ihrer Arbeit fortzufahren. Die Art ihrer ökumenischen und gemeindeübergreifenden Netzwerkarbeit ist beispielhaft. Ich freue mich deshalb, dass ich als Botschafter des Bistums die Impulse, die Sie mir heute gegeben haben, in andere Stadtkirchen hineintragen kann“, sagt Zimmermann nach einem zweistündigen Gespräch im Gemeindesaal der 2007 zur Urnenkirche umgewandelten Heilig-Kreuz-Kirche an der Tiegelstraße im Stadtteil Dümpten. „Es fühlt sich gut, dass ich heute zunächst eine Kindertagesstätte besucht habe und jetzt einen ehrenamtlichen Kreis, der sich in der Trauerbegleitung engagiert. Das macht mir noch einmal deutlich, dass wir als Kirche in der Seelsorge nicht nur dort präsent sein müssen, wo das irdische Leben pulsiert, sondern auch dort, wo es mit dem Tod endet“, sagt Zimmermann.

Die Selbstzeugnisse der ehrenamtlich Mitarbeitenden sind beeindruckend, wenn sie berichten, mit welcher Vielfalt sie sich dem Thema Tod und Trauer widmen. Unter anderem mit dem Hinweis auf Eltern, die ihre Kinder nicht zu Beerdigungen mitnehmen wollen und auch deren Teilnahme an einer Friedhofsführung, mit der Kitagruppe oder mit der Schulklasse, weil sie ihnen „das nicht zumuten möchten“, wird in der Diskussion deutlich: Tod und Trauer werden in unserer Gesellschaft immer noch tabuisiert.

Dagegen setzen die ökumenischen Netzwerker das auf Hinterbliebene und Trauerende Zugehen. Sie wollen mit ihrem Angebot des begleitenden Gesprächs trösten und damit ganz praktisch christliche Nächstenliebe praktizieren. Im ökumenischen Netzwerk der Mülheimer Trauerbegleitung verbinden sich Frauen und Männer aus unterschiedlichen: Ingenieure und Kaufleute sitzen ebenso mit am Tisch wie Psychologen, Seelsorger und Verwaltungsmitarbeiter. Manche stehen noch aktiv im Berufsleben. Andere befinden sich bereits im Ruhestand.  Andrea Guntermanns Bericht über die ehrenamtliche Begleitungsarbeit des Ambulanten Hospizes zeigt, dass Trauer- und Sterbebegleitung in der Ruhrstadt bereits seit Mitte der 1990er Jahre ein Thema sind.

Das ökumenische Netzwerk der Trauerbegleitenden bietet zum Beispiel Trauercafés, Trauergespräche auf Friedhöfen, Gedenkgottesdienste und zielgruppenorientierte Workshops an. Denn jeder Tod und jede Trauer sind anderes, je nachdem, ob um Eltern, Großeltern, Ehepartner, Kinder oder Geschwister getrauert wird.

Bernd Heßeler kam durch sein Engagement als ehrenamtlicher Beerdigungsleiter zum Kreis der Trauerbegleiter, weil er sich immer wieder gefragt hat: „Wie geht es mit den Hinterbliebenen, die um ihren Verstorbenen trauern, nach der Beisetzung weiter?“

Natürlich machen auch eher skurrile Geschichten die Runde, etwa über die Frau, die einen Beerdigungstermin mit dem Hinweis ablehnte: „Da habe ich gerade Fußpflege!“ oder die traurige Geschichte über den kleinen Jungen, der bei einer Trauerfeier sein Plüschtier in die brennenden Kerzen am Sarg seiner Großmutter warf, während seine in Scheidung lebenden Eltern darüber stritten, wer sich denn nun um den Jungen kümmern und ihn beruhigen sollte. Rolf Völker, ebenfalls ehrenamtlicher Beerdigungsleiter, erinnert sich an eine versöhnliche Trauererfahrung. Ein Sohn weigerte sich zunächst die Urne mit der Asche seiner Mutter selbst zur Steele am Altar zu tragen. Dann machte er es aber doch und berichtete dem Beerdigungsleiter später: „Da hat sich für mich ein Kreis geschlossen, in dem ich meine Mutter, die mich ins Leben hineingetragen hat, jetzt aus ihrem irdischen Leben hinausgetragen habe.“

Weihbischof Zimmermann und sein Referent Dr. Detlef Schneider-Stengel hören nicht nur interessiert zu. Sie berichten auch über ihre eigenen Erfahrungen mit Tod und Trauer. Zimmermann berichtet zum Beispiel über seine kürzliche Teilnahme an einer „wunderbar naturverbunden und würdigen Beisetzung im ehemaligen Gelsenkirchener Löwenpark, der heute als Friedwald genutzt wird. Der Weihbischof erinnert sich auch an das Begräbnis seines 1962 verstorbenen Vaters. Er sei zunächst zuhause aufgebahrt worden, damit sich die Trauernden von ihm verabschieden konnten. Und anschließend sei die Trauergemeinde, deren männliche Teilnehmer Zylinder trugen, einer Sargkutsche gefolgt, mit der der Verstorbene in die Pfarrkirche gebracht worden sei. „Wir gingen durch die Straßen unseres Stadtteils“, erzählt Zimmermann: „Und selbstverständlich wurde für den Trauerzug die Straßenbahn angehalten.“

Zimmermanns Referent berichtet von seinen Erfahrungen mit der Einrichtung eines Trauercafés und verweist als Bistums-Beauftragter für den interreligiösen Dialog darauf hin, „dass es in den Weltreligionen ganz unterschiedliche Bestattungskulturen gebe.“ So kenne der Islam und das Judentum nur die Erdbestattung, während im Hinduismus die Feuerbestattung die Regel sei. „Früher sagte man in der katholischen Kirche: ‚Der Mensch geht als Ganzes zu Gott und muss deshalb auch mit seinem ganzen Leib in einem Sarg beigesetzt werden. Aber ich will die Bestattungskultur theologisch nicht hochhängen. Die pastorale Praxis muss sich hier der sozialen Wirklichkeit anpassen“, betont Zimmermann.

Mit der evangelischen Pfarrerin und Trauerrednerin, Anke Dudek, ist sich Zimmermann darin einig, „dass Eltern beizeiten ihre eigenen Kinder in die Planung ihrer Beisetzung einbeziehen sollten, statt sie postum, etwa mit dem Wunsch nach einer anonymen Beisetzung unangenehm zu überraschen.“

Krankenhaus-Seelsorger Berthold Boenig stellte als Koordinator des TrauerNetzMülheim im Gespräch mit dem Weihbischof auch den Thementag rund um Tod und Trauer vor, den man am 22. April 2023 mit Referaten, Workshops, Musik und einem Markt der Möglichkeiten auf dem Kirchenhügel zwischen Petri- und Marienkirche veranstalten möchte, wenn man denn genug Sponsoren findet, um dieses öffentlichkeitswirksame und bewusstseinsfördernde Projekt auch finanzieren zu können.

Weihbischof Zimmermann und sein Referent Schneider-Stengel nahmen auch den von der Pädagogin Stefanie Hecke vorgetragene Bitte mit, auf der Bistumsebene „nach einem Topf zu suchen, aus dem die ehrenamtlichen Trauerbegleitenden ihre Kursgebühren für ihre Aus- und Weiterbildung erstattet bekommen könnten.“ Es könne doch nicht sein, so die Mitarbeiterin des Katholischen Bildungswerkes Mülheim/Oberhausen, „dass Menschen, die für unsere Gesellschaft etwas Gutes tun wollen, dafür auch noch bezahlen müssen!“

INFO: Als Ansprechpartner der Ökumenischen Trauerbegleitung Mülheim an der Ruhr, stehen unter anderem: Andrea Schlüter (Tel.: 0208-380093), Christoph Pfeiffer (Tel.: 0208/-43909274), Martin Bader (Tel.: 0208-5943788) und Bernd Heßeler (Tel.: 0208-30169835) bereit, für das TrauerNetzMülheim Berthold Boenig (Tel.: 0208-30542872. - Weitere Informationen zum Thema findet man auch im Internet unter: www.-kirche-muelheim.de sowie unter: www.mariae-himmelfahrt-mh.de

TN MH 20201128
Neues Faltblatt fasst Trauer-Angebote in Mülheim zusammen

Mülheim 26. 10. 2020
Nichts macht uns mehr Angst, als die Gedanken an die eigene Endlichkeit und daran, wie schmerzhaft es ist, liebe Menschen aus der Familie oder dem Freundeskreis zu verlieren. Doch: Trauer hat in unserer Gesellschaft oft keinen Platz. Wir sind nicht gewohnt, uns damit zu konfrontieren, dass unser Leben und das Leben unserer Lieben eines Tages plötzlich zu Ende sein kann. Von trauernden Menschen wird manchmal unausgesprochen erwartet, dass sie ihren Alltag bereits nach kurzer Zeit wieder so bewältigen, als wäre nichts passiert.
Menschen, die anderen in diesen existenziellen Fragen Hilfe leisten, ihre Trauer leben zu können, haben sich jetzt zu dem "TrauerNetzMülheim" zusamen geschlossen. Die Aktiven des Trauernetztes möchten die Menschen dabei unterstützen, sich die notwendige Aus-Zeit zu nehmen und eine geeignete Hilfe für die Trauerbegleitung finden zu können. Dieser Zusammenschluss von gemeinnützigen und kommerziellen Anbietern wird in einem neuen Faltblatt vorgestellt, das ab sofort an vielen Stellen der Statt ausgelegt wird. Interessierte erhalten diese Informationen auch im Netz auf der Webseite der Stadt unter der Rubrik "Netzwerk der Generationen" sowie auf den Webseiten der Evangelischen und Katholischen Kirchen in Mülheim.
Das TrauerNetzMülheim informiert über Angebote zu offenen Treffen für Jugendliche, Familien und Erwachsene - ebenso über Gesprächskreise und Gruppen, Einzelbegleitungen und Gedenkfeiern. - Wer nähere Informationen möchte, kann sich beim Krankenhaus-Seelsorger Berthold Boenig (0208-30542872) und bei der Gemeindereferentin und zertifiziertenTrauerbegleiterin Andrea Schlüter (0208-380093) informieren.